NHMRC oder das Verschwinden homöopathischer Evidenzen

Das Verschwinden der homöopathischen Evidenz Im NHMRC 2015 Report am Beispiel des „postoperativen Ileus“

Homöopathie bei postoperativem Ileus

Hoffnungsfroh geht´s los mit Prof. Edzard Ernst:

Homeopathy for Postoperative Ileus?: A Meta-analysis
Barnes, Joanne B. Pharm., M.R.Pharm.S.; Resch, Karl-Ludwig M.D., Ph.D.; ERNST, EDZARD M.D., Ph.D., F.R.C.P. (EDIN)
Journal of Clinical Gastroenterology: December 1997 – Volume 25 – Issue 4 – p 628-633
Stimulus
„….there is evidence that homeopathic treatment can reduce the duration of ileus after abdominal or gynecologic surgery. However, several caveats preclude a definitive judgment. These results should form the basis of a randomized controlled trial to resolve the issue.“

Und so geht´s weiter:

A systematic review of systematic reviews of homeopathy
E. ERNST
First published: 17 December 2002 https://doi.org/10.1046/j.1365-2125.2002.01699.x
https://bpspubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1046/j.1365-2125.2002.01699.x
Barnes (1997)
[10]
All placebo‐controlled trials of homeopathy for postoperative ileus (n = 6)
776
Yes
Weighted mean difference to time
until first sign of peristalsis was in
favour of Homeopathy (−7.4 h)
Homeopathic treatment can reduce
the duration of postoperative
ileus, however, several caveats
preclude a definitive judgement

„…..With the exceptin of postoperative ileus [10] and influenza [17] (see below) there is no condition for which homeopathy is convincingly effective….“
https://bpspubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1046/j.1365-2125.2002.01699.x#

im unverfälschten „Hidden Draft-Report 2012“ klingt es noch anerkennend:

„Es gibt ermutigende Beweise für die Wirksamkeit der Homöopathie bei:
• Fibromyalgie (Grad C)
• Mittelohrentzündung (Grad C)
Postoperativer Ileus (Zeit bis zum ersten Flatus) (Grad C)
• Infektion der oberen Atemwege (URTI) bei Erwachsenen (Grad C)
• Nebenwirkungen der Krebsbehandlung (Grad C)“

Doch dann nimmt die Sache ihren „unheilvollen“ Lauf:

https://www.nhmrc.gov.au/about-us/publications/homeopathy#block-views-block-file-attachments-content-block-1

Prepared for the NHMRC Homeopathy Working Committee by Optum
Appendix A List of excluded Studies:

……

Barnes, J., Resch, K.L., & ERNST; E. (1997). Homoeopathy for postoperative ileus? A meta-analysis.
Journal of Clinical Gastroenterology, 25: 628-633.
Level I
Systematic review included in [!!] Overview Report

…….

..um als „neues“ Ergebnis so zu enden (zunächst noch positiv für die homöopathische Evidenz):

„Barnes et al (1997) descriptively noted that all of the studies (with the exclusion of GRECHO, 1989) reported a „positive“ effect for homeopathy, compared with placebo, on the time to first flatus. The Level II study by GRECHO (1989) found „no effect“ for homeopathy in this respect.
Two of the four studies that also measured time to first faeces reported a positive effect for homeopathy (Castelin, 1979; Aulagnier, 1985), one reported a „statistically non-significant“ mean reduction in time to first faeces in patients who received homeopathy (Chevrel, 1984) and one Level II study reported no difference between homeopathy and placebo (GRECHO, 1989).

A meta-analysis of all six included studies revealed a statistically significant effect in favour of homeopathy for time to first flatus (weighted mean difference (WMD) -7.4; 95% CI -4.0 to -10.8; p<0.05). This effect remaind even with the exclusion of the two low quality studies (Castelin, 1979; Dorfman, 1992) (WMD -6.11; 95% CI -2.31 to -9.91; p<0.005). A significant effect in favour of homeopathy was also found for time to first flatus when a homeopathic remedy of less than 12C potency was used (4 studies; WMD -6.6; 95% CI -2.6 to -10.5; p<o,o5 […..] Overall, Barnes et al (1997) concluded that „there is some evidence to support the administration of a homeopathic remedy immediately after surgery to reduce the duration of ileus. However, there is no evidence to support the use of a particular homeopathic remedy or for a combination of remedies“

.das Ende der homöopathischen Evidenz bei postoperativem Ileus……

Evidence statement

Three systematic reviews of medium to good quality identified five randomised controlled trials (poor to good quality; total of 1095 participants, range: 96-600) and two prospectively designed, non-randomised controlled studies (poor to medium quality; 20 and 80 participants) that compared homeopathy with placebo for the treatment of people with postoperative ileus.

Two of the systematic reviews conducted meta-analyses that found a significant difference in favour of homeopathy, but both meta-analyses included a with a high risk of bias. The one large, good-quality trial (600 participants) did not detect a difference between homeopathy and placebo in the treatment of postoperative ileus. LOC: Moderate.

Based on the body of evidence evaluated in this review homeopathy is not more effective than placebo for the treatment of people with postoperative ileus.

—–>Evidence verschwundibus!

Und wie schreibt Stefan Reis so treffend in seiner hervorragenden Analyse „postoperativer Ileus- eine Sache für die Homöopathie“:

…….Nun stellt sich die naheliegende Frage, auf welche Weise und weshalb es zur Eliminierung dieser Metaanalyse kam sowie – und das ist ja noch ein besonderes Topping – zu der Aussage, dass Homöopathie bei postoperativem Ileus nicht besser wirke als ein Plazebo, denn dazu gibt es keine zweite Metaanalyse!

Vermutlich fiel die qualitativ hochwertige Studie mit 80 Teilnehmern und einem signifikant positiven Ergebnis einer nach 2012 eingeführten Richtlinie zur Beurteilung der Qualität von Studien zum Opfer, nach der eine Mindestteilnehmerzahl von 150 Personen für zu berücksichtigende Studien gefordert wurde, während Studien mit weniger Teilnehmern als zu klein eingestuft wurden.7 Diese Grenzziehung ist übrigens willkürlich und in anderen Studien (auch unter peer review) zur Wirksamkeit von Arzneimitteln unüblich … ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mit „Hilfe“ dieses Parameters lassen sich nun einige Studien aus der oben angeführten Metaanalyse herausrechnen. Übrig bleibt dann eine einzige, die zwar genügend Teilnehmer aufweist und ein „low risk of bias“ zeigt – die also eigentlich von hoher Qualität ist8 -, die aber angesichts der weniger zuverlässigen Studien sowie derjenigen, die keine Überlegenheit der Homöopathie gegen Plazebo ergaben, verhältnismäßig unterlegen ist, wodurch man zu der Aussage kommt, dass im Falle des postoperativen Ileus „Homöopathie nicht effizienter als Plazebo“ zu erkennen war, weil „eine große Mehrzahl an zuverlässigen Studien“ dies so gezeigt habe.

Man hat also einen einzigen Parameter für die Beurteilung der Qualität einer Studie geändert, was zur Folge hat, dass sich eine zunächst getroffene Aussage in ihr Gegenteil verkehrt.

Wie es scheint, hat man hier eine Methode gefunden und angewandt, mit der sich unliebsame Daten aus einer Übersicht entfernen ließen – nichts Anderes kann ich aus den vorliegenden und oben angeführten Quellen schließen.

Aber selbst wenn keine „böse Absicht“ hinter diesem Vorgehen steckte – die Folge ist nicht nur, dass eine anerkannt qualitativ hochwertige Studie mit eindeutigem Ergebnis auf diese Weise und ohne nachvollziehbare Begründung komplett unter den Tisch fällt und so eine positive Bewertung in eine negative verdreht wird. Auch Patienten werden nun vermutlich nicht von den ermutigenden Ergebnissen profitieren können. Das halte ich geradezu für eine Perversion des oben geschilderten Vorgehens……

https://www.vkhd.de/vkhd-blog/item/675-postoperativer-ileus-eine-sache-fuer-die-homoeopathie

INH-Statement zum 2015-Report und zu den Kritiken der homöopathischen Community:

entnommen aus:

https://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Systematische_Reviews_zur_Hom%C3%B6opathie_-_NHMRC_(2015)#cite_note-overviewreport-9

„Behauptung: Die Grenze von 150 Teilnehmern wird nicht begründet

Das NHMRC gibt keine Begründung dafür an, dass Studien mit einer Teilnehmerzahl unter 150 als unzuverlässig eingestuft wurden.[24] Man bezieht sich zwar auf einen Artikel im BMJ, früher British Medical Journal, einer der führenden medizinischen Fachzeitschriften,[25] dieser sei aber hier nicht anwendbar, denn der Artikel behandelt dichotome Merkmale,[B 12] während die Ergebnisse in den vorliegenden Studien zumeist als kontinuierliche Daten[B 13] vorliegen. Außerdem führe das NHMRC selbst Studien mit weniger als 150 Teilnehmern durch, die ja nach diesen Standards sinnlos wären.

Es trifft zu, dass der Grenzwert von 150 Teilnehmern für eine zuverlässige Studie im NHMRC-Review nicht begründet wird und dass sich vermutlich auch nur schwer eine wissenschaftliche Begründung dafür finden lässt. Dies entspricht dem Haufenproblem: ab welchem Grenzwert wird eine Menge Sandkörner zu einem Sandhaufen? Irgendwo muss es einen Grenzwert geben, allerdings ist jeder Grenzwert diskutierbar, weil ein einzelnes Sandkorn mehr oder weniger den Charakter des vorliegenden Gebildes nicht durchgreifend ändern kann.“

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